MZ Halle/Saalekreis-21.04.11: Keine Lust auf Bildungsreise
Clemens Darmochwal, 21.04.2011
Das klare Indiz für ein Interessen-Defizit liefert der SSV Landsberg. Am Montag (14 Uhr) ist der Verein aus der Landesliga bekanntlich der Gastgeber des Pokal-Halbfinales gegen den Halleschen FC. Ein riesiges Ereignis für die Saalekreis-Stadt. Und um sich gegen den Favoriten so teuer wie möglich verkaufen zu können, gehören genaue Studien des Kontrahenten eigentlich zum Grundprogramm der Vorbereitung. Doch wer nun dachte, heute gibt es einen Gruppenausflug in Blau-Gelb ins Stadion, also quasi eine Bildungsreise ins Bildungszentrum, sieht sich im Irrtum.
"Ich habe meine Jungs gefragt, ob wir uns zur Einstimmung auf das Pokalduell gemeinsam das Spiel gegen Hamburg anschauen wollen", sagt Maik Ritschel, der SSV-Trainer. Das Resultat: "Sie haben abgewunken und gesagt: Man kenne den HFC in- und auswendig und wisse, wie er spielt, ein Training wäre besser und effektiver", erzählt Ritschel. Er kann mit der Mehrheits-Entscheidung leben: "Natürlich brauchen wir am Montag viele Körner." Er sieht ebenso in der gelebten Demokratie, die im Veto gegen seinen Vorschlag mündete, keineswegs einen Angriff auf seine Autorität. "Ich bin doch kein Diktator oder Rebell und will es mir mit meinen Spielern zudem nicht verscherzen", so Ritschel lachend. "Wenn sie trainieren wollen, bitte sehr, gut so."
Hat er selbst den HFC schon einmal bei einer anderen Gelegenheit beobachtet? Der Klub jedenfalls tat dies umgekehrt. Co-Trainer Dieter Strozniak war Gast beim 3:0 des SSV gegen Thalheim. "Aber wohl nur bis zum 0:0. Unsere Tore hat er, glaube ich, verpasst", sagt Ritschel und scherzt: "Ich habe meinen Jungs als er weg war gesagt, jetzt dürft ihr zeigen, was ihr wirklich könnt und treffen. Nee, nur Spaß."
Was weiß Ritschel denn nun vom HFC, dessen Taktik und wie ihm beizukommen wäre? Was würde er tun, wenn er heute beispielsweise der Trainer der Hamburger wäre? "Ich würde es so machen lassen wie der von Holstein Kiel: Defensiv sicher stehen, auf Fehler lauern, präzise Konter fahren", sagt Ritschel, der Szenen der 0:3-Pleite gegen die Norddeutschen im Fernsehen studiert hat. Der Schlachtplan klingt plausibel und auch für den Montag geeignet.
Genau diesen aber will HFC-Trainer Sven Köhler durchkreuzen. Für ihn ist das Duell gegen Landsberg zunächst nachrangig. Seine Mannschaft soll sich gegen die Hamburger wieder spielfreudig, konsequent und vor allem konzentriert präsentieren. Also in Derby-Form, also wie beim 3:1 in Magdeburg. "Solche Tage wie im letzten Heimspiel gegen Kiel können passieren, sie sollten sich aber nicht wiederholen", sagt Köhler. Ein guter Eindruck, ein möglichst klarer wie schön herausgespielter Sieg wären eminent wichtig, damit dann in den letzten beiden Heimspielen gegen Oberneuland (8. Mai) und die Zweite von Wolfsburg (21. Mai) die Zuschauer doch Lust auf den HFC verspüren. Vielleicht finden dann die Landsberger auch mal Zeit und kommen vorbei. Doch Ritschel baut schon mal vor: "Es gibt ja nicht nur den HFC, sondern auch noch Beruf und Familie."
Quelle:MZ-web.de
