MZ Halle/Saalekreis - 30.08.11: 18 Tore in 65 Minuten
Matthias Greef, 30.08.2011
SALZMÜNDE/MZ. HFC-Jungstar Toni Lindenhahn zog es am freien Sonntagnachmittag mal wieder zu den alten Kumpels. Fußball ansehen bei Germania Salzmünde. Vom nahen Seepark, wo er wohnt, bis zur "Saalearena", wie die Germanen ihren Sportplatz etwas hochtrabend nennen, ist es schließlich nur ein Katzensprung. Doch nach einer knappen halben Stunde wurde ihm die Zeit zu lang und er gab einem Ausflug nach Seeburg den Vorzug.
"Die Partie wurde nach zehn Minuten ewig unterbrochen, weil der Rettungshubschrauber einen verletzten Spieler abgeholt hat", sagt Lindenhahn. Die fliegenden Ärzte transportieren den Gutenberger David Wehling ab, der im Vorspiel mit Verdacht auf einen komplizierten Beinbruch ausgeschieden war. "Solche Bilder muss ich nicht sehen. Da bin ich gegangen."
Denkwürdiger Nachmittag
Und so verpasste Lindenhahn ein vielleicht historisches Fußballspiel. Im Duell der 1. Saalekreisklasse, Staffel 2, bezog Germania Salzmünde eine 6:12-Packung gegen die zweite Mannschaft des SSV Landsberg. Sven Sperling, der die Geschicke der Salzmünder Fußballer auch ohne offizielle Wahlfunktion lenkt, wollte selbst zwei Tage danach am liebsten gar nichts zu diesem denkwürdigen Nachmittag sagen. Er fühlte sich noch immer wie ein begossener Pudel. "Ich bin Jahrgang 71, spiele seit ewigen Zeiten Fußball. Aber so etwas ist mir noch nicht passiert", erzählt er. "Ich habe das Debakel als Spieler miterlebt und lag noch die halbe Nacht wach im Bett, weil ich nicht einschlafen konnte."
Eigentlich verlaufen die Fußball-Nachmittage in der elften Liga recht harmonisch. "Doch dieses Mal war schon von Beginn an alles anders", erzählt Sperling. Die Partie war zehn Minuten alt, da musste Schiedsrichter Andreas Mingram wegen des Hubschrauber-Einsatzes unterbrechen. "Die Konzentration war fürs Erste dahin", sagt Sperling. Trotzdem fanden die Salzmünder nach der Unterbrechung als Erste wieder ins Spiel. Alles schien nach Plan zu laufen. Erst recht, als Marco Angermann mit dem ersten seiner vier Treffer in der 20. Minute sogar die Führung für Germania erzielte.
Doch falsch gedacht! Was dann passierte, sucht wohl lange seinesgleichen. Die Landsberger reagierten, rannten die restlos überforderten Gastgeber in Grund und Boden und schossen sie bereits bis zum 7:2 zur Halbzeit ab. "Nach dem schnellen Ausgleich wollten wir natürlich reagieren, haben die Defensive etwas gelockert und sind damit voll in unser Verderben gerannt", sagt Sperling. Auch in der zweiten Halbzeit fielen die Tore wie reife Früchte. Der größte Abstand zwischen zwei Treffern betrug neun Minuten: vom 5:9 zum 5:10.
Der Ausgang des Spiels wird nicht weniger kurios beim Blick auf die Gesamtliga. Denn die Staffel zwei der 1. Saalekreisklasse ist die Tor-Liga schlechthin. Schon im letzten Jahr gab mehr als zehn Spieltage mit mehr als 30 Treffern. Doch jetzt hat es in 14 Spielen bereits 97 Mal eingeschlagen. "Das ist wirklich enorm viel", sagt Sperling. Doch er weist auch daraufhin, dass solche Ergebnisse immer wahrscheinlicher sind, je niedriger die Liga wird. "Die Zusammensetzung der Mannschaften ist höchst unterschiedlich." Während im Team der Germanen gerade mal drei Spieler weniger als 40 Lenze zählen, hatte der älteste Landsberger 23 Jahre auf dem Buckel.
Unterschiedliche Ziele
Den Salzmündern hätte also vor dem Anpfiff ein Blick auf den Spielberichtsbogen weitergeholfen. Dann nämlich hätten sie gewusst, dass Unheil droht und ihre Taktik entsprechend ausrichten können. Sperling nennt noch einen anderen Grund für die vielen Tore. "Es kommt auch darauf an, was ein Verein mit seiner zweiten Mannschaft bezweckt", sagt er. "Wir sind eine jüngere Alt-Herren-Mannschaft. Die jungen Landsberger haben andere Ziele, wollen sich für ihren Landesliga-Kader anbieten und möglichst aufsteigen."
Die Germanen haben Konsequenzen aus der Lektion gezogen. "Wir müssen uns verjüngen, wenn wir die Klasse halten wollen", sagt Sperling - und betreibt gleich ein wenig Werbung in eigener Sache: "Junge Leute, die bei uns spielen wollen, bekommen sofort die Chance in der ersten Mannschaft."
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